Die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz hat ihre vakante Trainerstelle schnell neu besetzt. Miroslav Jagatic übernimmt mit sofortiger Wirkung die Regionalliga-Mannschaft und erhält einen ligaunabhängigen Vertrag bis zum 30. Juni 2028. Der 50-Jährige folgt auf Daniyel Cimen, von dem sich der Verein nach dem misslungenen Saisonstart getrennt hatte.
Jagatic wird damit in einer sportlich schwierigen Situation zum Hoffnungsträger. Nach neun Spieltagen steht die Barockstadt mit fünf Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz der Regionalliga Südwest. Auf den 1:0 Auftakterfolg bei Eintracht Trier folgten acht Ligaspiele ohne Sieg. Zuletzt kassierte die Mannschaft fünf Pflichtspielniederlagen hintereinander.
Den Ausschlag für den Trainerwechsel gab die deutliche 1:5-Niederlage beim Aufsteiger VfR Mannheim. Die Fuldaer Verantwortlichen entschieden sich anschließend, die mehr als zweijährige Zusammenarbeit mit Cimen zu beenden.

Aufstieg und Pokalfinale mit Chemie Leipzig
Mit Jagatic verpflichtet die SG Barockstadt einen Trainer, der die Regionalliga kennt und bei seiner vorherigen Station bewiesen hat, dass er über einen längeren Zeitraum eine Mannschaft entwickeln kann.
Von Januar 2019 bis Dezember 2024 war der Inhaber der UEFA-Pro-Lizenz für die BSG Chemie Leipzig verantwortlich. In 186 Pflichtspielen an der Seitenlinie prägte er eine erfolgreiche Phase des Traditionsvereins. Unter seiner Leitung gelang Chemie der Aufstieg aus der Oberliga in die Regionalliga Nordost. Dort etablierte Jagatic die Mannschaft trotz vergleichsweise begrenzter finanzieller Möglichkeiten. Im Jahr 2022 erreichten die Leipziger zudem das Finale des Sachsenpokals.
Zuvor arbeitete der gebürtige Kroate unter anderem für den BFC Preussen und Tasmania Berlin. Mit Tasmania zog er 2015 in das Endspiel des Berliner Landespokals ein.
Gerade die Leipziger Jahre dürften für die Entscheidung der Fuldaer eine wichtige Rolle gespielt haben. In der Johannisau ist kein kurzfristiger Feuerwehrmann gefragt, sondern ein Trainer, der Stabilität schaffen und die Mannschaft gleichzeitig weiterentwickeln kann.
Trainerteam bleibt vollständig erhalten
Sportvorstand Christian Geisendörfer bezeichnete Jagatic als die Wunschlösung des Vereins. Überzeugt habe der neue Coach nicht nur mit seiner fachlichen Arbeit, sondern auch mit seiner Kommunikation und der Fähigkeit, aus überschaubaren Mitteln viel herauszuholen.
Jagatic selbst richtet den Blick zunächst auf den Klassenerhalt. Dafür müsse der gesamte Verein zusammenstehen, von der Mannschaft über den Trainerstab bis zu den Fans. Das bisherige Trainerteam bleibt unter dem neuen Chefcoach unverändert. Damit setzt die SG trotz des Wechsels an der Spitze auf Kontinuität im täglichen Betrieb.
Der ligaunabhängige Vertrag bis 2028 ist zugleich ein deutliches Signal: Die Zusammenarbeit soll nicht allein vom kurzfristigen Tabellenstand abhängen. Jagatic erhält die Möglichkeit, über die laufende Rettungsmission hinaus an einer neuen sportlichen Entwicklung zu arbeiten.
Debüt beim FC Homburg
Viel Eingewöhnungszeit bleibt ihm allerdings nicht. Bereits am Samstag, 3. Oktober, wartet das erste Pflichtspiel. Um 14 Uhr tritt die Barockstadt beim FC 08 Homburg an. Die Saarländer stehen mit 14 Punkten auf dem siebten Tabellenplatz und gehen als Favorit in die Begegnung.
Jagatics erste Aufgabe wird es sein, einer verunsicherten Mannschaft neues Selbstvertrauen zu geben und die defensive Stabilität zurückzugewinnen. 20 Gegentore in neun Spielen zeigen, wo der größte Handlungsbedarf besteht.
Von einer grundlegenden Veränderung innerhalb weniger Trainingseinheiten kann niemand ausgehen. Ein sichtbarer Stimmungswechsel und ein konzentrierter Auftritt in Homburg wären für die angeschlagene Barockstadt aber bereits wichtige erste Schritte.
